Winterreifenberatung - Ein kleiner Leitfaden
Reifen ist nicht gleich Reifen, soviel dürfte auch dem technischen Laien klar sein. Aber woran kann man einen qualitativ hochwertigen Winterreifen erkennen, welche Merkmale können beim Kauf direkt vor Ort überprüft werden? Diese und viele weitere Fragen werden im folgenden Abschnitt beantwortet.
Winterreifenmerkmale
Obwohl es in Deutschland noch keine eindeutige Definition gibt, was einen Winterreifen kennzeichnet, so wurden seitens der Industrie und Fachpresse Merkmale festgelegt, an denen man sich als Verbraucher orientieren kann:
Winterreifen Schneeflockensymbol
Mit dem Schneeflockensymbol wird garantiert, dass der Reifen eine einheitliche Prüfung durchlaufen hat, bei der ein Vergleich mit einem standardisierten Reifen erfolgt. Werden beim Winterreifen bessere Werte erzielt als beim Vergleichsreifen, erhält er das Schneeflockensymbol. Ein mit einem Schneeflockensymbol ausgezeichneter Reifen befindet sich in der Regel im oberen Drittel der Leistungsfähigkeit von Winterreifen, wie Zeitschriftentests immer wieder belegen.
Winterreifen M+S-Kennzeichnung
Diese Kennzeichnung darf jeder Hersteller an seinen Reifen anbringen, ohne dass es dafür rechtliche Grundlagen gibt. M+S steht dabei für Matsch und Schnee, oder auch englisch für Mud and Snow. In den 50er Jahren begann man damit, grobstolligere Profile mit diesem Zeichen zu kennzeichnen.
Winterreifen - Korrekte Profiltiefe
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 mm (siehe dazu Winterreifenpflicht - Profiltiefe). Experten warnen jedoch davor, Winterreifen so stark abzufahren. Wenn die Profiltiefe 4 mm unterschreitet, kann der Winterreifen seine Wintertauglichkeit verlieren, da die Lamellen, welche die Griffkanten des Reifens vergrößern, nicht mehr vollständig vorhanden sind. Dadurch verliert der Reifen eines seiner wesentlichsten Merkmale: den Grip. Denn da das Gummigemisch in der Profiltiefe anders zusammengesetzt ist, weist er deutlich schlechtere Winter- und Nässeeigenschaften auf.
Lamellen (feine, meist wellenförmige Profileinschnitte)
Diese sorgen für den gewünschten Verzahnungseffekt mit der Fahrbahnoberfläche, da sie Griffkanten bilden. Ein Winterreifen weist bis zu 2000 Lamellen auf und unterscheidet sich dadurch schon auf den ersten Blick vom Sommerreifen, welcher entweder keine oder nur wenige Einschnitte in seinem Profilklötzen hat. Lamellen bewirken eine Erhöhung der Kantenlänge und ermöglichen somit einen besseren Grip auf der Fahrbahnoberfläche.
Spezielle Laufflächenmischung bei Winterreifen
Winterreifen haben eine spezielle Laufflächenmischung, die dafür sorgt, dass das Gummi auch bei tieferen Temperaturen nicht verhärtet. Dieser Unterschied ist für den Laien allerdings nur schwer festzustellen.
Winterreifenwechsel
Wann ist der richtige Zeitpunkt auf Winterreifen zu wechseln? Die 7-Grad-Empfehlung? Laut dieser Regelung hätten Winterreifen bei Temperaturen unter 7 °C bessere Eigenschaften als Sommerreifen. Aus heutiger Sicht unabhängiger Fachleute ist diese Empfehlung jedoch stark relativiert worden: Auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt können mit Sommerreifen sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn kürzere Bremswege erzielt werden als mit vergleichbaren Winterreifen. Die Beschaffenheit der Straße (insbesondere bei Schneefall) hat einen erheblich größeren Einfluss darauf, ob ein Wechsel angebracht wäre, als die Temperatur allein.
Winterreifen vs. Ganzjahresreifen
Warum unterscheidet man Ganzjahres-, Sommer- und Winterreifen? Ist Reifen nicht gleich Reifen? Viele Autofahrer halten das Wechseln von Sommer- zu Winterreifen für unnötige Geldverschwendung. Allerdings denken sie nicht daran, dass ein rechtzeitiges Wechseln der Bereifung hilft, Unfälle zu vermeiden. Ganzjahresreifen sind eher als Kompromiss zu Sommer- und Winterreifen zu verstehen. Sie ersparen sich zwar den Kauf zweier ganzer Reifensätze und den lästigen Wechsel zum Wetterumschwung, jedoch besitzen die Reifen keine optimalen Eigenschaften für die jeweilige Jahreszeit. Die Beschaffenheit des Materials ist härter als bei Winterreifen und weicher als bei Sommerreifen. Dies beeinflusst die Abnutzungserscheinungen je nach Jahreszeit sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.
Wann es sich dennoch lohnt auf Ganzjahresreifen umzurüsten?
Unter bestimmten Voraussetzungen können Ganzjahresreifen trotzdem eine sinnvolle und günstigere Alternative darstellen, man muss allerdings ein paar Punkte beachten. Fahrzeuge mit geringer Jahreskilometerleistung (unter 10.000 km) können durchaus mit Ganzjahresreifen ausgerüstet werden. Hier fällt auch der höhere Verschleiß nicht ins Gewicht, da die Kosten für eine wechselnde Bereifung dann im Vergleich höher ausfallen würden und Reifen ab einem bestimmten Alter nicht mehr verwendet werden sollten (siehe dazu Winterreifenpflicht - Reifenalter). Eine gute Alternative stellen Ganzjahresreifen außerdem dar, wenn man in Gebieten wohnt, in denen eher selten winterliche Bedingungen vorherrschen, wie beispielsweise im Flachland. Generell sollte man bei leistungsstarken Fahrzeugen auf die Verwendung von Ganzjahresreifen verzichten, da Ganzjahresreifen die Leistung nicht so gut auf die Straße übertragen können, wie die beiden anderen Reifentypen bei entsprechender Witterung.
Es empfiehlt sich auf jeden Fall bei der Versicherung in Erfahrung zu bringen, ob der volle Versicherungsschutz auch beim Gebrauch von Ganzjahresreifen gewährleistet wird.
Winterreifen - Allgemeine Hinweise
Die wichtigsten Markierungen und Zahlen auf einen Blick
- Markenname oder Markenlogo des Reifenherstellers
- Profilbezeichnung / Reifentyp
- Reifenquerschnittsbreite in mm
- Verhältnis Reifenhöhe zu Reifenbreite in %
- R = Radialreifen, D = Diagonalreifen
- Felgendurchmesser in Zoll
- Kennzahl für die Reifentragfähigkeit
- Geschwindigkeits-Index
- Tubeless = Schlauchloser Reifen
- Herstelldatum, XX = Woche, XX = Jahr
- Abnutzungsanzeiger = Tread Wear Indicator --> ein Pfeil
deutet die Verschleißgrenze in Höhe von 1,6mm an - Zusatzbezeichnung für Reifen mit erhöhter Tragfähigkeit
- Hinweis auf Wintertauglichkeit
für Winter- und Ganzjahresreifen
Winterreifen - Wissenswertes:
Reifen altern auch ohne Gebrauch
- Prüfen Sie beim Kauf, ob es sich bei dem Satz Neureifen wirklich um neu hergestellte Winterreifen handelt und nicht um ungenutzte gelagerte Neureifen. ADAC PKW-Tests haben ergeben, dass sich eine Verschlechterung der technischen Eigenschaften bei Winterreifen ab einem Alter von 3 Jahren einstellt – dies ist allerdings nur ein Richtwert, eine gesetzliche Vorschrift gibt es hierzu nicht (siehe dazu Winterreifenpflicht - Reifenalter). Achten Sie hierbei auf den vierstelligen Herstellungscode, den Sie in unserer Abbildung zu der Ziffer 10 finden - dieser gibt Aufschluss über das Winterreifenalter. Die ersten beiden Ziffern nennen die Produktionswoche, die letzten beiden das Jahr (0110 = Erste Woche 2010).
Ein Neukauf von Winterreifen ist auch jenseits der gesetzlichen Vorschrift besonders dann zu empfehlen wenn…
- Ihnen beim Reifenwechsel Verformungen, Schnitte oder anormaler Verschleiß auffallen.
- die Reifen nicht der Originalzulassung des Fahrzeugs entsprechen, was die Maximalgeschwindigkeit oder die Last betrifft (das können Sie im Fahrzeug-Schein unter Punkt 33 nachprüfen).
- nach dem Winterreifenwechsel die Steuerung Ihres Autos unkontrolliert erscheint.
Ein wichtiger Bestandteil des Winterreifenwechsels sollte die Prüfung des Luftdrucks sein.
Hier ist Ihr persönlicher Einsatz gefragt! Der Luftdruck sollte auch weiterhin in regelmäßigen Abständen gemäß der Herstellerempfehlung geprüft werden (Reifendruck Tabelle siehe Innenseite Tankdeckel, Türrahmen, Handschuhfach oder Betriebsanleitung; der Richtwert beläuft sich auf 2,0 bis 2,2 bar).
Schon ein minimal abweichender Luftdruck von gerade mal 0,5 bar…
- beeinflusst das Kurvenverhalten Ihres Fahrzeugs, besonders bei voller Beladung. Vermeiden Sie eine Gefährdung Ihrer Insassen, anderer Verkehrsteilnehmer und ganz besonders Ihrer eigenen Gesundheit.
- verlängert den Bremsweg im Vergleich zu einem korrekt befüllten Reifen deutlich. Nach Angaben eines ADAC Test kann das ABS System in diesem Fall nicht richtig arbeiten.
- Zu wenig Luft führt zu einem Mehrverbrauch an Benzin und ist dazu noch schlecht für die Umwelt!